Die große Gemeinheit: Seitenstechen

Als Anfänger kommt man nicht dran vorbei: Seitenstechen. Plötzlich sticht es und Sie müssen runter vom Tempo.

Bis heute rätseln die Damen und Herren Wissenschaftler. Da können sich natürlich mit Leichtigkeit abergläubische Erklärungen breit machen.

 

Aberglaube 1: Beim Seitenstechen wird Blut aus der Milz gepresst.

Haben Sie diese Erklärung auch schon einmal gehört? Oder glauben Sie gar daran? So wie ich es glaubte? Ein befreundeter Notarzt befreite mich von diesem Glauben mit einem einzigen lakonischen Satz: „Jens, wenn deine Milz Blut verliert, solltest du besser schon bei mir in der Intensiv-Aufnahme sein, und noch besser, OP-bereit auf dem Tisch liegen!“
Scheidet also aus.

 

Erklärung 2: Das Zwerchfell kontrahiert falsch

Das Zwerchfell ist ein Muskel. Wenn dieser „falsch“ kontrahiert kann es zwei Ursachen haben

–          Falsche Nervenimpulse oder falsche Reaktion auf Impulse

–          Der Muskel hat ein Energieproblem

Kaum zu glauben, dass sich unser Millionen Jahre altes Stammhirn versehentlich bei einem lebenswichtigen Prozess vertut. Da habe ich schon eher den Verdacht, dass es diesem Verrückten der plötzlich losrennt und so eine Energiekrise auslöst, durch Pein ein wenig bremsen will.

 

Erklärung 3: Ein Pups liegt quer.

Gefällt mir sehr gut. Ist nicht von mir:

Ernst van Aaken: „Dauerbewegung als Voraussetzung der Gesundheit“

Ich fabuliere: Nehmen wir an, da ist zu viel „verbranntes“ Kohlendioxid im Blut. Normalerweise befördert es die Atmung über die Lunge nach draußen. Die Lunge hat schließlich die größte Oberfläche. Die zweitgrößte Fläche hat der Darm. Könnte es also sein dass unser lieber Körper gerade das benutzt, was ihm in größter Not geeignet erscheint?

Schade. Da habe ich nun keine Erklärung für Sie. Aber brauchen wir die? Nö.

 

Denn spätestens wenn wir uns die Ursache für die verschiedensten Erklärungen anschauen, stoßen wir auf Energie und das ist nichts anderes als Atmung.

 

Atmen ist Energie

 

Von der anderen Komponente der Energiegewinnung, dem energiereichen Fett, haben wir meist genug dabei.

Seitenstechen ist ein Atemproblem.

Der Gedanke fällt uns etwas schwer. Wird uns nicht überall eingehämmert, Atmen kann jedes Kind? Atmen ist ein natürlicher Reflex?

Gegenfrage: Falls Sie es können, wie langen mussten Sie die Atemtechnik beim Schwimmen lernen? Sind Sie vielleicht Taucher? Konnten Sie das einfach so? Was erzählt man Schwangeren bei der Geburt? Das ist doch nun wirklich ein natürlicher Prozess und da muss belehrt werden?

Ja muss es. Denn die traurige Wahrheit ist:

 

Wir haben das Atmen verlernt.

 

Jahrzehnte drücken wir uns auf Schulbänken herum und quetschen uns dabei unseren Brustkorb und Bauchraum ein. Natürliches Atmen? Fehlanzeige. Und nach der Schule geht das für die meisten bei Lehre, Studium, im Beruf und auf der Couch so weiter.

 

Können wir das Atmen neu lernen?

Na klar! Es ist sogar ganz einfach. Das Prinzip ist die 3-3er, 2-2er, 1-1er Atmung oder Kombinationen davon.

So geht’s:

3er Atmung – Einatmen

Stehen Sie bitte aufrecht. Sie atmen so tief wie Sie können in den Bauch ein. Da atmen Sie noch einmal weiter in Brustkorb ein. Da staunen Sie, plötzlich geht noch ein bisschen. Und es geht noch ein bisschen mehr. Das ist der dritte Teil.

3er Atmung – Ausatmen

Atmen Sie jetzt so tief wie Sie können wieder aus. Dabei beugt sich Ihr Oberkörper nach vorn. Jetzt quetschen Sie noch einmal den vermeintlich letzten Rest heraus. Einmal suchen und es geht noch etwas – jetzt pressen Sie den allerletzten Rest nach draußen.

Das ist die 3-3er-Atmung. Dreimal ein, dreimal aus. Üben Sie dies bitte so oft wie möglich.

Nur wer fleißig übt kann es. 

Sollte ihnen Seitenstechen widerfahren: 3-3er Atmung. Sie können es jetzt, denn Sie haben es ja geübt. Einfach wegatmen.

 

Wozu das Ganze?

Sie trainieren Ihre Lunge auf maximale Volumen-Nutzung. Nichts ist unpraktischer als ein schlaffer Lungensack, in den Sie nur ein bisschen hineinpusten. Nutzen Sie maximal was Sie haben.

Die 3-3er Atmung nimmt Ihnen Tempo. Probieren Sie also 3-2er, 2-3er, 3-1er, 2-1er- Atmung beim Laufen aus. Mit einfachen Ein- und Ausatmen werden Sie als Anfänger kaum genügend Luft in Ihre Lungen bekommen.

 

Atemfrequenz

Schnell ein- und ausatmen bringt wenig. Warum? Nun, der Sauerstoff benötigt eine gewisse Zeit, um hin- und her zu diffundieren. Es blubbert also nicht mit einem großen Blub aus dem Blut hinein oder hinaus, sondern es blubbert etwas vor sich hin. Unser Hämoglobin bindet den Sauerstoff leider nicht so schnell wie wir es gern hätten.

Vermutlich ist eine Atemfrequenz von 36-40 Atmungen pro Minute optimal für eine maximale Sauerstoffaufnahme.

 

 

Vermeiden Sie beim Laufen:

Atmen und Schritte kombinieren ist grober Unfug. Es klaut Ihnen unnötig Gehirnkapazität und kann eigentlich nur hindern. Im Gegensatz zu Vierbeinern ist bei uns Menschen der Atem von der Beinbewegung entkoppelt. „Drei Schritte einatmen und drei Schritte ausatmen“: So erkennen Sie Theoretiker die von der Sache keine Ahnung haben.

Beim Laufen sind Schritte und Atmung entkoppelt.

Bestimmte Sportarten erfordern ein Kopplung von Bewegung und Atmung: Schwimmen, Rudern, Gewichtheben um einige zu nennen. Hier ist der Atmen entweder nur zu bestimmten Positionen möglich (Schwimmen) oder der Brustkorb wird rhythmisch (Rudern) bewegt.

 

Ich bin meinem Kameraden Andreas Heinze dankbar, der mir 1986, vor 28 Jahren, während eines gemeinsamen Laufes von Lauchammer in Richtung Plessa die Atemtechnik erklärte. Seitdem litt ich nie weider ernsthaft an Seitenstechen.

 

Alles wird gut. Sie werden besser. Ihr Jens Knobloch

Oberkörper mit den inneren Organen von vorne

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