Abnehmbetrüger (2): Illustrierte Stern verschweigt 10 Kilo in 7 Tagen

Hatte ich das Letzte Mal vor den Abnehmbetrügern die die Waage manipulieren gewarnt, kommt schon eine Woche später der Stern mit dem passenden Titel.

Da hier von 10 Kilo in 7 Tagen die Rede ist, verziert mit einem schlanken Model, war mein Interesse geweckt. Gekauft.

Und wenig später: Geärgert. Sehr geärgert.

Wer sich ärgert, wird schneller fett. Ich hätte für 3,70 Euro also auch eine Currywurst inhalieren können. Mit extra Soße.

 

Was ich erwartete:

 

Ein Erfolgsbeispiel (oder mehrere)

Funktionierende Tipps (praktisch, Ernährungstheorie oder fürs Gemüt)

Fundierte Erklärungen was passiert

 

Ich bekam:

 

Nichts, aber überhaupt nichts vom Erwarteten.

Der Inhalt des Artikels:

 

Seite 86:

Die Autorin berichtet über elektronische Helfer, die sie scheinbar nicht einzusetzen weiß – was man auch nicht muss, wenn man nicht gerade Artikel darüber schreibt. Es soll ja Leser geben, die sich die Frage stellen: Und wie könnte mir das nutzen? Ob das vielleicht in der nächsten Stern-Ausgabe verraten wird?

 

Seite 87:

 

Die Autorin erdichtet eine „Abnehmindustrie“, die es so gar nicht gibt. In meiner Wahrnehmung gibt es Akteure aus unterschiedlichsten „Marktbereichen“ die sich dem Thema Gewichtsreduktion verschreiben. Ist Apple etwa ein „Abnehmkonzern“, weil ich mit dem ipod meine Schritte zählen kann? Jetzt wird mir die Bedeutung des Logos klar! Ist Bayer ein Diätberater, weil diese Firma ein Medikament für Adipöse anbietet? Da ich Illustrierte nur ein paar Mal im Jahr kaufe, war mir ganz entfallen, dass diese ihren Auftrag nicht in Lebenshilfe oder Wissensvermittlung sehen. Gehört nach der Logik der Autorin  der Bauer auf dem Wochenmarkt auch zur Abnehmindustrie, wenn er fettarme Petersilie verkauft?

 

Anschließend zählt die Autorin verschiedenste Diäten auf. Wem ist damit geholfen? Wäre es nicht hilfreicher, sie würde das aussprechen, was wir längst schon ahnen: Wir haben bis heute keine geschlossene Theorie und hier versagt die „Wissenschafts-Industrie und Bürokratie“ bis heute? Und die ganz wenigen, die Wissen wie es geht sind für die nächsten zwanzig Jahre von Promis ausgebucht?

 

Weight Watchers gerät ins Wanken – aber was ist die Botschaft des Autors? Abnehmen ist sinnlos bis unmöglich? Oder hat Weight Watchers schlicht ein gutes System mit falschem Konzept?

 

Seite 88

Von Weight Watchers zum Datenschutz – dieser Artikel lässt nicht aus. Für Voyeure mit Vorstellungskraft empfehlenswerte Stelle. 

 

Seite 89

Übergewicht als Volkskrankheit. Kann Deutschland 80% seines BIP für medizinische Behandlung der Übergewichtsfolgen ausgeben? Diese spannende Frage könnte die Autorin stellen. Immerhin scheinen die Versicherer da Handlungsbedarf zu sehen.

 

Seite 91

..und kann bis zur Magersucht führen.

Dieser Satz darf in keinem wirklich kompetenten Diätartikel fehlen. Schön dass er auch hier nicht vergessen wird. Diät ist eine gaaanz gefährliche Sache. Mal abgesehen davon das es eh nix wird, ist es auch noch riskant. Tolle Botschaft.

Und: Der Körper ist kein Computer. Aha. Dennoch muss es ja irgendwie ein paar grundlegende Wirkungsmechanismen geben? Nicht jedoch in diesem Artikel.

Die Autorin beschwert sich über die Tips ihrer Apps, als sie vor dem Süßwarenregal steht: Lauter Binsenwahrheiten. Ja, manchmal sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht. Wieso steht jemand, der Diät macht, vor dem Süßwarenregal? Und ist dann noch hilflos seinem Heißhunger ausgeliefert, nachdem ihn unbekannte Kräfte dorthin trugen? Ich kann der Autorin nur raten etwas zu warten: Dann wird Google die Indoor – Navigation haben und solche Fehler werden nicht mehr passieren. Das Süßwarenregal wird dann für Diätwillige zur gesperrten Zone erklärt. Einige Futuristen schaffen es ja heute schon diese Zonen zu meiden. Wie machen die das bloß?

 

Seite 93

Sagte ich gerade ein guter Diätartikel muss unbedingt vor Magersucht warnen? Nicht nur das – ein wirklich guter Artikel muss auch noch das ultimative Totschlagargument liefern: Wissenschaftliche Studien gibt es hierzu nicht.

Die Wissenschaftler selbst sind von der Entwicklung ganz überrascht. Und mal ehrlich: Was gibt es kompetenteres als überraschte Wissenschaftler?

Die Autorin streift soziale Unterstützung. Immerhin erwähnt sie es per Zitat.

Nach drei Wochen hat die Autorin ihr Portemonnais um 500 Euro und ihr Gewicht um zwei Kilo reduziert. Glückwunsch. Das ist immerhin etwas mehr Luft im Hosenbund. Mehr ging auch nicht. Denn für 500 Euro hätte sie sich vermutlich nicht alle Hosen, Röcke und Kleider neu kaufen können. Das ist ja grad mal so gut gegangen.

Für 3,70 Euro hätte ich ein schlechtes Gewissen wegen der Currywurst haben können. Sich mal ordentlich ärgern ist aber auch nicht schlecht. (es muss ja nicht gleich á la Gernot Hassknecht sein).

Von 10 Kilo in 7 Tagen ist dann übrigens im ganzen Artikel nie mehr die Rede. Ich dachte immer, Überschriften hätten irgendetwas mit dem Inhalt zu tun.

Soviel zu den falschen Versprechen.

Mal schauen, es gibt ja noch Textkästen. Was der Kastentext des Artikels als falsche Versprechen der suggerierten Abnehmindustrie schlau vermeldet:

1. Light Produkte helfen nicht
2. Vorher nachher Bilder sind oft gefälscht
3. Eiweiß Brot lasst nicht die Pfunde purzeln
4. Sport hilft nicht allein
5. Pillen helfen nicht
6. hier wird etwas berichtet was überhaupt nichts mit dem Thema zu tun hat
7. du kriegst kleine und schlaffe Brüste wenn du abnimmst, aber der Bauch bleibt fett
8. Fußschweiß???
9. nochmal Lowfat (recycelter Punkt 1)
10. Eine Wampe läßt sich nicht wegrubbeln (muss man das dem interessierten Leser antun?)

Mein Versprechen an Sie:

Mit solchen Dingen belästige ich Sie nicht in der Beratung.
Ich teile mit Ihnen mein Wissen, gebe Tipps.
Über zwei Kilo werden wir schmunzeln.

Ich wünsche der Autorin Silke Gronwald für immer ihre Wunschfigur. Andernfalls würde ich ihr unbedingt zu einem Experten raten. Für 500 Euro gibt es schon einiges an Kompetenz.

Alles wird Gut. Sie werden besser. Ihr Jens Knobloch

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